Chronik

 Chronik-02
75 Jahre Taunusklubs Fischbach e.V.TKF-75-J-big
Festrede des Ehrenvorsitzenden des Taunusklub (Gesamtverein) Josef Glöckner

anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Taunusklubs Fischbach e.V. am 06. Mai 2000

Verehrte Gäste!
liebe Wanderfreundinnen, liebe Wanderfreunde!

Ich will nicht reich sein, will nicht Ruhm gewinnen, will auch nicht ohne Kampf sein, ohne Mühe und Plag, um eines nur bitt’ ich, Herrgott Dich, von ganzem Herzen: Laß mich wandern können bis zum letzten Tage.

Diese aus einem gläubigen Herzen kommenden Worte Julius Kobers haben überall dort Geltung, wo es Menschen gibt, die mit der Natur verbunden sind. Wo es Menschen gibt, die Heimat und Familie als das höchste Gut schätzen und lieben.

Diese Bitte an den allmächtigen Gott, dieses Gebet berührt auch in der heutigen Zeit, in der Zeit des Materialismus noch jeden, der die Sehnsucht des Wanderers nach der freien Natur kennt.
Hier in der Natur, in Wald und Feld, ist man der Schöpfung und sich selbst am nächsten.
Wandern heißt leben! Wandern ist ein Gesundbrunnen für Jung und Alt.

Immer wenn ich von einer Wanderung zurückkomme, meine ich, die gerade eben beendete Wanderung sei die schönste gewesen. Was erkennt der Mensch, der gerne wandert?

  • Wandern ist gesund für Leib und Seele.
  • Wandern läßt uns die Schönheiten der Natur erkennen.
  • Wandern macht uns empfänglich für die Stimmungen,
    die uns die Natur vermitteln kann.
  • Beim Wandern lernen wir Land und Leute kennen.
  • Nur wer wandert, erlebt seine Heimat.
  • Nur wer wandert, lernt seine Heimat schätzen und lieben.

Diese Gedanken waren es mit Sicherheit, die im Jahre 1925 einige Bürger Fischbachs bewegten, einen Wanderverein zu gründen. So gründeten sie den Taunusklub in Fischbach. Nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Festvortrag anläßlich eines Vereinsjubiläums ist meist langweilig und steckt voll mit Jahreszahlen.

Ich kann Sie davon nicht ganz verschonen! Ein paar Jahreszahlen muß ich nennen!

Aber, um Ihnen die Vereinsgeschichte etwas kurzweiliger zu vermitteln, will ich das Werden, das Entstehen und das Wachsen des Taunusklub Fischbach mit der Darstellung der Entwicklung meines Heimatdorfes Fischbach verbinden.

Packen wir es an, lassen wir die Ereignisse seit 1925 Revue passieren. Im Jahre 1925 hatte Fischbach 1.148 Einwohner. Heute leben knappe 6.000 Menschen hier in unserer Gemeinde.
Fischbach war 1925 ein Straßendorf mit 18 Straßen. Es sah aus der Luft aus, wie ein großes Kreuz. Man hatte in Fischbach noch kein fließendes Wasser. Die Wasserleitung wurde erst 1926 gebaut. Wo damals Äcker und Wiesen waren, wohnen heute Menschen in schönen Häusern.
Die Fischbacher Kinder wurden fast alle noch in Fischbach geboren. Und jedes Kind kannte die Hebamme. Wer von der jungen Generation kann heute von sich behaupten, hier im Ort geboren zu sein? Wer hier im Ort geboren ist, ist von Adel. Gibt es noch den Fischbacher Adel?

Die Schule stand neben der Kirche. Sie hatte 3 Klassen. Andreas Faust, der Schwiegervater des uns allen bekannten Gregor Wolf, war Hauptlehrer und Jakob Kunz war Bürgermeister von Fischbach. Heute ist dort, wo die Schule stand, ein Parkplatz für die Kirchenbesucher.

Fischbach war damals eng mit dem Landleben verbunden. Ich kann mich noch gut erinnern, als man mit Kühen und Pferden vor den Wagen die Ernte eingeholt hat. Ich weiß noch, wie sich die Spatzen um die Pferdeäpfel versammelten, bis eine wachsame Hausfrau sie verjagte und die Pferdeäpfel als Gartendung im Eimer eingesammelt hat. Und wehe, wenn beim Einsammeln des Dungs die Grenzen verletzt wurden, da konnte der größte Nachbarschaftskrach entstehen.
Die Straßenmitte und die seitlichen Grundstücksgrenzen durften nicht überschritten werden. Auch wenn ein halber Haufen für den Nachbarn liegen blieb.

Die Gründer des Vereins wählten Johann Wittekind – in Fischbach besser als der Schmitt-Hannes bekannt – zu ihrem 1. Vorsitzenden. Als ich in den alten Protokollen blätterte, fiel mir auf, daß damals der Vorstand darüber zu entscheiden hatte, wer Mitglied des Vereins werden durfte.
Mancher und manche waren dem Vorstand nicht genehm. Über diese Bewerber mußte dann die Mitgliederversammlung entscheiden. Und die Mitgliederversammlung hat auch noch manche abgelehnt. Es konnte nicht jeder in den Verein eintreten. Leute, die etwas Ehren-rühriges getan hatten, die wurden nicht aufgenommen. Und was damals ehrenrührig war, gehört heute fast zum guten Ton.

Die Gründer des Vereins legten gleich fest, daß im Verein keine Politik betrieben werden sollte.
Aber dieser Beschluß verlor bereits im Jahre 1933 – schon 8 Jahre nach der Gründung – seine Gültigkeit. Der Nationalsozialismus brachte durch die Gleichschaltungsgesetze die Politik auch in den Taunusklub. Die Mehrheit des Vereinsvorstandes mußte damals der Partei oder einem angeschlossenen Verband angehören. Ich weiß nicht, wie Johann Wittekind, ein engagierter Zentrumsmann, es geschafft hat, während der Nazizeit Vorsitzender bzw. Führer, wie die Vorsitzenden damals genannt wurden, im Taunusklub zu bleiben. Johann Wittekind führte den Verein über die Kriegsjahre hinaus bis zum Ende des Wanderjahres 1954. In die Vorstandszeit Johann Wittekinds fällt der Neuanfang des Vereines nach dem Krieg.

Im Protokollbuch ist nachzulesen, daß sich am 12. Februar 1948 im Gasthaus “Zum Löwen” bei Heinrich Berninger, 14 Wanderfreunde getroffen haben, um das in den Kriegs- und Nachkriegs-jahren eingeschlafene Vereinsleben wieder neu zu beleben.

Der Verein übernimmt nun wieder seine Aufgaben. Die Wegemarkierungen, an denen während der ganzen Kriegs- und Nachkriegsjahre nichts gemacht wurde, mußte wieder in Ordnung gebracht werden. Die Ruhebänke waren zerstört und die Rosserthütte, für die der Verein schon im Jahre 1929 große Opfer gebracht hatte, mußte dringend repariert werden.

Aber es ging nun wieder aufwärts. Am 15. und 16. Juli 1950 feierte der TK sein 25-jähriges Stiftungsfest mit Festkommers, Festgottesdienst und Festzug. Ein Fest mit allem Drum und Dran und mit vielen Besuchern. Die Zahl der Mitglieder wuchs von 49 im Jahre 1948 auf 71 im Jahre 1953. Wie sah Fischbach im Jahre 1955, als Johann Wittekind aus Altersgründen sein Amt in jüngere Hände übergab, aus?
Es gab noch keinen Kanal. Rechts und links der Kelkheimer Straße waren offene Gräben. Jedes Haus hatte eine Jauchegrube, die meistens mit einem Überlauf versehen war, der in die offenen Gräben mündete. Vielleicht hat es manchmal etwas gestunken, aber das war der Reiz, das die gute Landluft. Die Frankfurter Bürger kamen gern zum Berninger-Anton zum Äppelwoitrinken. Manchmal war für die Fischbacher kein Platz mehr. In Berningers Garten feierte man die Feste.

Die neue Schule war gerade ein Jahr fertiggestellt und im Paradies war man mit dem Bau der evangelischen Kirche beschäftigt. Fischbach hatte etwa 2.000 Einwohner. Der Autoverkehr im Dorf war noch erträglich. Aber es war leider nicht mehr möglich, im Winter die Reißkirch mit dem Rodelschlitten runter zu fahren. Mein Vater war damals Bürgermeister und ich war gerade 1 Jahr verheiratet. Ja, meine Damen und Herren, die Zeit vergeht. Man sieht es auch an mir. Meine schönen Locken sind dahin.
Aber nun wieder zurück zum Taunusklub. Felix Wohlrab war nun, nachdem Johann Wittekind zurückgetreten war, der neue Vorsitzende. In seine Amtszeit fällt die Ausrichtung der Jahres-hauptversammlung, des Gesamt-Taunusklub und des Taunuswandertags am 28. und 29. Juli 1958 in Fischbach.
Felix Wohlrab konnte nur 4 ½ Jahre Vorsitzender sein. Ein tragischer Unfall beendete am 21. Juli 1959, am Vorabend des Taunuswandertages 1959, in Oberreifenberg, sein Leben. Das Auto, mit dem Felix Wohlrab von einer fröhlichen Feier nach Hause fahren wollte, verunglückte. Es fuhr, aus bis heute noch ungeklärten Gründen, in voller Fahrt gegen einen Baum. Mit Felix Wohlrab starben der 2. Vorsitzende, Hauptlehrer Heinrich Roth, und die Schriftführerin, Frau Emilie Glöckner Frau Emilie Glöckner war meine Mutter. Nur der Fahrer des PKW hat den Unfall überlebt.
Der Tod der drei Vorstandsmitglieder war für den Verein ein schwerer Schlag, der härteste, den der Verein seit seiner Gründung erleiden musste. Ganz Fischbach war in Trauer. Mehr als 1.000 Menschen erwiesen den drei Verunglückten die letzte Ehre.
Johann Wittekind, der Ehrenvorsitzende, übernahm bis zur Außerordentlichen Mitglieder-versammlung, die einen Monat später durchgeführt wurde, wieder die Führung des Vereins.
Bei dieser Außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Arthur Klarmann zum Vorsitzenden gewählt. Er führte den Verein bis zur Jahreshauptversammlung am 22. Januar 1961. An diesem Tage trat er zurück und Josef Huber wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Unter der Leitung Josef Hubers hatte der Verein einen weiteren Aufschwung. 39 neue Mitglieder traten während seiner Amtszeit dem Verein bei. Josef Huber war nur bis zum 21. April 1964 Vorsitzender.
Georg Usinger, bisher 2. Vorsitzender, übernahm kommissarisch die Vereinsführung.
Die Mitgliederversammlung am 24. Januar 1965 wählte ihn dann zum 1. Vorsitzen-den.
Georg Usinger führte den Verein dann noch 9 Jahre.
In die Zeit seines Vorsitzes fiel das 40-jährige Vereinsjubiläum und die Einweihung des Wanderheimes auf dem Staufen. Am 13. Januar 1974 trat Georg Usinger mit 75 Jahren aus Altersgründen zurück und ich wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Ich blieb bis zum 23. Juli 1983 – etwas mehr als 9 Jahre – der Vorsitzende. Es fällt mit nicht leicht, über diese Zeit zu berichten. Ist es doch ein Bericht über meine Tätigkeit. Und manches, was ich nun berichte, könnte vielleicht etwas nach Eigenlob riechen. Aber auch die Ära Glöckner gehört zur Geschichte des Vereins und darf deshalb nicht unerwähnt bleiben.

Georg Usinger übergab mir das Amt mit den Worten:
“Du hast eine große Aufgabe vor Dir. Wir feiern im Jahre 1975 unser 50-jähriges Bestehen.
Ich übergebe Dir den Verein mit einem kleinen Geldvermögen. Gib es nicht aus, sondern sieh zu, daß Du es vermehrst!”
Als ich das hörte, habe ich mir gedacht: “Armer Seppel, da hast Du Dich auf etwas eingelassen!”
Ich hatte fast meinen ganzen Mut verloren.

Aber mit aufgekrempelten Ärmeln und vielen Helferinnen und Helfern, haben wir gemeinsam diese Aufgabe gemeistert.
Das Fest war ein großer Erfolg. Die Mitgliederzahl hat sich in den beiden Jahren 1974 und 1975 von 154 auf mehr als 300 fast verdoppelt. Gleichzeitig mit den Festvorbereitungen haben wir begonnen, eine Jugendabteilung aufzubauen. Auch hierzu waren wieder viele Helferinnen und Helfer erforderlich. In einzelnen Gruppen wurde Volkstanz, Chorgesang und Basteln betrieben.
Gewandert wurde natürlich auch. Die Kinder und Jugendlichen waren mit großer Begeisterung bei der Sache. Ende 1975 hatte die DWJ im Taunusklub Fischbach 135 jugendliche Mitglieder.

Die jugendlichen Volkstänzer, die wir erstmals bei der Weihnachtsfeier 1975 sehen konnten, weckten bei den Erwachsenen den Ehrgeiz. Es dauerte nicht lange, und es wurde eine Volkstanzgruppe gegründet, die mit ihren Tänzen nicht nur den Taunusklub erfreute.
Die Gruppe war weit über die Grenzen Fischbachs hinaus bekannt. Der Taunusklub Zweigverein Fischbach, wurde im Gesamt-Taunusklub als Modellverein betrachtet.

Der Höhepunkt war erreicht. Aber so konnte es nicht bleiben und so blieb es auch nicht. Das Interesse der Menschen am Vereinsleben ließ nach. Die Großstadtnähe brachte zu viel Abwechslung und das Fernsehen verführte die Menschen immer mehr zur Untätigkeit.
Die Mitgliederzahlen gingen zurück. Als ich im Juni 1983 von meinem Amt zurückgetreten bin, war die Mitgliederzahl auf 223 zurückgegangen und die DWJ im Taunusklub hatte nur noch 86 Mitglieder.
Gertrud Fitzky, bisher stellvertretende Vorsitzende, übernahm nach meinem Rücktritt, das Vereinsruder. Sie leitete den Verein kommissarisch bis zur Mitgliederversammlung, die sie am 12. Februar 1984 einstimmig zur Vorsitzenden gewählt hat. Gertrud Fitzky ist noch heute die Vorsitzende des Jubelvereins. Sie führt den Verein nunmehr 17 Jahre. Sie hat ihre Arbeit sehr gut gemacht. In den ersten 7 Jahren ihrer Tätigkeit gingen die Mitgliederzahlen noch leicht zurück.
Aber seit 1990 kann sie jährlich mehr Zugänge als Abgänge verbuchen. Zwischenzeitlich hat der Verein wieder nahezu 200 Mitglieder. Das ist den meisten anderen Zweigvereinen nicht so. Dort gehen die Mitglieder-zahlen zurück.
Nur eines betrübt mich bei meinem Zweigverein Fischbach: Die einmal so starke Jugendgruppe der DWJ im Zweigverein Fischbach, die sich in der Hauptsache aus den Kindern und Enkeln unserer Mitglieder zusammensetzte, die gibt es nicht mehr. Aber Ursel Krüger, die Jugendwartin des Vereins baut derzeit wieder eine Kinder-gruppe auf. Leider gehören die Eltern dieser Kinder nicht alle als Mitglieder dem Taunusklub an. Die noch nicht dazu gehören, sollten dem Verein doch beitreten und durch ihren Beitrag die Jugendarbeit im Taunusklub unter­stützen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, bevor ich nun zum Ende komme, muß ich noch einiges erwähnen, was in der Zeit, in der Trude Fitzky den Verein leitet, Besonderes geschehen ist:

Das Seniorenwandern
Was in der Zeit, als ich den Vereinsvorstand innehatte, noch unerwünscht war, ist heute zu einer festen Einrichtung geworden, an der sich regelmäßig 40 Mitglieder beteiligen.
Seniorenwanderungen werden an jedem ersten Donnerstag eines Monats durchgeführt.

Rundwanderwege
Mit Hilfe der Stadt Kelkheim wurden 6 weitere Rundwander­wege geschaffen, so daß in der Umgebung der Stadt Kelkheim nunmehr 9 Rundwanderwege vorhanden sind.

Grenzgänge
In den 1985 und 1988 wurden die im Jahre 1982 begonnenen historischen Grenzgänge fortgesetzt. Leider konnten weitere Grenzgänge nicht mehr durchgeführt werden, weil kaum noch jemand bereit war, in einem historischen Kostüm bei dem Grenzgang mitzuwirken.

Brunnenfeste
Ein weiterer Höhepunkt im Fischbacher Vereinsleben sind die jährlichen Brunnen-feste.
Dass dieses Fest gefeiert werden kann, und daß überhaupt ein Brunnen da ist, verdanken die Fischbacher Ludwig Angloher. Einem Mitglied des Taunusklub.
Und der Taunusklub war der erste Verein, der Ludwig Angloher nicht nur finanziell, sondern auch mit Rat und Tat und mit Ideen bei seiner Arbeit für diesen Brunnen unterstützt hat.
Das meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bin zu Ende mit meiner Rede, das war in groben Zügen die Geschichte des Taunusklubs Zweigverein Fischbach. Aber sie ist noch lange nicht vollständig. Man könnte ein dickes Buch damit füllen.
Zum Abschluß wünsche ich dem Verein, daß es weiter aufwärts geht und daß die Menschen, jung und alt, wieder zum Taunusklub finden, um beim Taunusklub die Natur beim Wandern zu erleben.

Denn, wenn ich wandere, bin ich König,
bleibe ewig jung froh
und regiere, bis ich sterbe
irgendwann und irgenwo.

Doch daran will ich nicht denken.
Fürcht auch nicht der Sense Schnitt.
Freunde heut’ kann ich noch wandern.
Wandert, wandert mit mir mit.

Ich danke Ihnen!

Nach der Chronik und den Protokollbüchern des Vereins im April 2000 von Josef Glöckner erstellt.

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